Wolfgang Rau: Recht für Fotografen

Buchtipp

Fast schon eine Auseinandersetzung

Das hatte ich in 2017 mit einer Kollegin. Ich besuchte eine Fortbildung für WordPress-Einsteiger.
Die Kollegin sprach über die Nutzung von Bildern und Graphiken im eigenen Blog: Das sei einfach, solange man sich an Lizenz-freie Bilder hielte. Nach mehreren derartigen Hinweisen gab ich zu bedenken, daß ich da wesentlich vorsichtiger wäre als sie… Auch Lizenz-freie Bilder könnten, nicht richtig gekennzeichnet, zu einem treuen Vergnügen werden… Wir wurden uns in dem nachfolgenden Wortwechsel nicht einig.

Dieses Thema ist mir besonders wichtig

Denn eine hochgeschätzte Kollegin, die auch Webseiten betreut, hatte gerade eine Abmahnung wegen einer alten Kundenwebseite erhalten. Eigentlich war die schon offline und nur noch in einem Archiv zugänglich. Doch dort fand sich ein Bild… und nun bewegte man sich in den Grauzonen der Lizensierung. Im Raum standen rund 2000,– Euro. Und selbst, wenn sich die Zahlung anlässlich der Abmahnung vermeiden lässt, stehen hohe Kosten für Anwalt, aber auch Rechereche- und Beratungszeit und Stress auf der Verlustseite des Betroffenen.

Mach Dich besser schlau!

Kein Wunder, daß ich Ihnen ein Nachschlagewerk ans Herz legen möchte, daß für Ihre Presse- und Öffentlichkeitsarbeit wichtig ist.
Vereine und Verbände, aber auch für Unternehmer die sich – insbesonde im Netz – präsentieren sollten sich mit dieser Buchempfehlung besser schlau machen, als auf unbelehrbare Seminarreferenten zu hören: “Recht für Fotografen”.
Ein Buch dieser Art ist kein “Lesebuch”, das liest man nicht wie einen Schmöker oder ein Lehrbuch Kapitel für Kapitel. Daher ist ein gutes Inhaltsverzeichnis wichtig und ein gutes Stichwortverzeichnis.

Mehr Nachschlagewerk als Schmöker

Doch eines nach dem andern: Wolfgang Rau hat einen Wälzer vorgelegt mit fast 500 Seiten. Sechs Seiten Inhaltsverzeichnis listen neun Kapitel auf. Eine allgemeine Einführung in das Urheberrecht eröffnet den Inhalt und dann versetzt sich der Autor in die Situation des Fotografen. Was wird er wohl fotograpieren? Natur, Architektur, Sachen, Tiere, Menschen… Wo veröffentlicht der Fotograf? Es geht weiter mit der Rechtslage im Internet. Es folgt das Eingehen auf neue Trends: Die Drohnenfotografie im In- und Ausland und schließlich der Schutz von Rechten, das Schließen von Verträgen und Besonderheiten, wie die gewerbliche Fotografie. Den Abschluss bildet die Situation in den deutschsprachigen Nachbarländern.

Gründlich, logisch, praxisorientiert

“So unendlich gründlich!” seufzte ein Rezensent bei Amazon. Schon das Inhaltsverzeichnis zeigt das, aber auch eine Grundstruktur im Aufbau. Der ist logisch und praxisorientiert. Der Autor greift immer wieder gängige Vorurteile und Fehlannahmen auf und setzt sich mit ihnen auseinander. Dabei präsentiert er nicht nur seine Rechtsauslegung, sondern in der Regel macht er sich die Mühe die Logik in der Fehlannahme aufzuzeigen.
Als Leser kann ich dadurch lernen, juristisch zu denken. Gerade in unsicheren Situationen kann mir das bei meinen Entscheidungen helfen:
“Einwilligung bei Gruppenaufnahmen” (Seite 181) bietet solch ein Beispiel. Häufig, so führt Rau aus, höre man, bei der Aufzeichnung einer Gruppe von Menschen bräuchte es keine Einwilligung. Er fragt, worin denn der Rechtsunterschied begründet sein könne. Frage: Kann eine Gruppe weniger Rechte als ein Einzelner haben? Da kann man ja nur noch den Kopf schütteln.

Ab und zu musste ich schlucken

Manchesmal musste ich bei der Lektüre schlucken: Schon Straßenfotografie ist eine Grauzone, habe ich gelernt. Sich von so vielen Einschränkungen und “Verboten” nicht frustrieren zu lassen, braucht schon Resilienz.
Tatsächlich aber ermutigt das Buch. Ich fand alle Sachverhalte gut nachvollziehbar erklärt, manchmal schimmert sogar Witz auf und ich im Geiste sah ich den Autor häufiger den Kopf schütteln, wenn er geltendes (Richter)Recht thematisiert.

Lohnt sich die Investition?

Sie wissen es doch sicher schon: eindeutig “Ja”. Wer im Netz veröffentlicht, wer fotografiert, filmt und/oder veröffentlicht sollte dieses Buch im Schrank haben – und zum Nachlesen und Nachschlagen immer mal wieder aus dem Schrank heraus holen.
Für “Fotografen on Tour” wird sich zusätzlich das “Surplus” des Rheinwerk Verlages lohnen. Das eBook für Euro 5,– extra. Rund 40,– beziehungsweise 45,– Euro für dieses Buch sind erheblich günstiger als eine Abmahnung oder ein Prozess und deutlich leichtgewichtiger.

Der Verlag hat diese Rezension mit einem kostenlosen Leseexemplar unterstützt.

Wolfgang Rau: Recht für Fotografen: Der Ratgeber für den fotografischen Alltag
Verlag: Rheinwerk Fotografie; Auflage: 3 (26. Juni 2017)
Gebundene Ausgabe: 477 Seiten
ISBN-10: 3836245272
ISBN-13: 978-3836245272
EURO: 39,90

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